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Aspirin, chemisch Acetylsalicylsäure (ASS), gehört zu den bekanntesten und meistverwendeten Medikamenten der Welt. Seit über 120 Jahren wird es als Schmerzmittel, Fiebersenker und Entzündungshemmer eingesetzt. Darüber hinaus ist es heute Standard in der Prävention von Herzinfarkt und Schlaganfall.
In den letzten Jahrzehnten ist Aspirin jedoch auch in der Krebsforschung und sogar im Bereich Anti-Aging in den Fokus gerückt. Immer mehr Daten zeigen, dass dieser altbekannte Wirkstoff weit mehr kann als Kopfschmerzen lindern.
Bereits in der Antike nutzten Ärzte Weidenrinde, die natürliche Salicylate enthält, zur Schmerzlinderung.
1828 isolierte der Chemiker Johann Buchner das wirksame Prinzip, die Salicylsäure.
Da diese sehr magenreizend war, suchte man nach einer besser verträglichen Form.
1897 gelang es Felix Hoffmann bei Bayer, die Acetylsalicylsäure zu synthetisieren.
1899 wurde das Medikament unter dem Markennamen Aspirin weltweit eingeführt – und trat einen beispiellosen Siegeszug an.
Aspirin wirkt durch irreversible Hemmung der Cyclooxygenasen (COX-1 und COX-2). Diese Enzyme sind entscheidend für die Produktion von Prostaglandinen und Thromboxanen.
Prostaglandine → lösen Schmerz, Fieber und Entzündung aus.
Thromboxane → fördern die Blutgerinnung durch Thrombozytenaggregation.
Dadurch erklärt sich die Doppelfunktion von Aspirin:
In höherer Dosis (500–1000 mg) wirkt es schmerzstillend und fiebersenkend.
In niedriger Dosis (75–100 mg) wirkt es blutverdünnend und beugt Herzinfarkt oder Schlaganfall vor.
Kopfschmerzen und Migräne
Zahnschmerzen
Muskelschmerzen
Fieber bei Infekten
Rheumatische Beschwerden
Sekundärprävention nach Herzinfarkt oder Schlaganfall
Seit den 1980er-Jahren wird intensiv erforscht, ob Aspirin auch krebspräventiv wirken kann.
Hier ist die Studienlage besonders stark. Mehrere große Analysen zeigen, dass regelmäßige Einnahme von niedrig dosiertem Aspirin (über mindestens 5 Jahre) das Risiko für Darmkrebs deutlich senkt.
Eine große Metaanalyse im Lancet bestätigte diese präventive Wirkung.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20970844/
Die Daten sind weniger einheitlich. Manche Studien sehen eine Reduktion des Risikos, andere finden keinen Effekt. Hinweise deuten darauf, dass Aspirin vor allem bei hormonrezeptor-positiven Tumoren von Vorteil sein könnte.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30921813/
Mehrere Studien legen nahe, dass eine langfristige, niedrige Dosis von Aspirin das Fortschreiten von Prostatakrebs verlangsamen kann.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27770554/
Hier sind die Ergebnisse gemischt. Einige Arbeiten zeigen einen Vorteil, andere keinen klaren Zusammenhang.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26174519/
Die krebshemmende Wirkung von Aspirin wird auf mehrere Faktoren zurückgeführt:
COX-2-Hemmung → entzündungsfördernde Prostaglandine werden reduziert
Thrombozytenhemmung → Tumorzellen können sich schlechter über Blutbahnen ausbreiten
Epigenetische Effekte → Aspirin beeinflusst Genexpression und Zellwachstum
Immunmodulation → fördert Tumorerkennung durch das Immunsystem
Niedrig dosiertes Aspirin ist Standard nach Herzinfarkt oder Schlaganfall.
Es verhindert die Bildung gefährlicher Blutgerinnsel.
Für Menschen mit hohem kardiovaskulärem Risiko überwiegt der Nutzen klar das Risiko.
Meta-Analysen belegen diese Wirkung eindeutig.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31475799/
Die US Preventive Services Task Force empfiehlt Aspirin bei bestimmten Risikogruppen zur gleichzeitigen Prävention von Darmkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27052598/
Trotz aller Vorteile hat Aspirin auch Risiken, vor allem bei Langzeiteinnahme:
Magen-Darm-Blutungen
Magengeschwüre
Erhöhtes Risiko für Hirnblutungen (sehr selten)
Asthmaanfälle bei empfindlichen Personen
Das Risiko steigt mit höherer Dosis und gleichzeitiger Einnahme anderer Medikamente (z. B. Blutverdünner, Kortison, Alkohol).
In der komplementären Onkologie wird Aspirin teilweise als unterstützende Maßnahme eingesetzt, z. B. in Kombination mit:
Omega-3-Fettsäuren → synergistisch antiinflammatorisch
Curcumin → ebenfalls COX-2-hemmend
Metformin → in Studien als Kombination gegen Darmkrebs geprüft
Aktuelle Forschungsfelder:
Aspirin als Anti-Aging-Mittel (Verlangsamung von Entzündungsprozessen im Alter)
Aspirin und Alzheimer (neuroprotektive Effekte werden untersucht)
Kombination mit modernen Immuntherapien in der Onkologie
Aspirin ist ein klassisches, bewährtes Medikament, das längst über die Schmerztherapie hinausgeht.
In niedriger Dosis schützt es zuverlässig vor Herzinfarkt und Schlaganfall.
In der Krebsprävention – insbesondere bei Darmkrebs – ist die Datenlage stark.
Auch in der Onkologie und Altersmedizin gibt es vielversprechende Forschung.
Risiken wie Magenblutungen müssen jedoch stets beachtet werden.
Damit ist Aspirin ein Beispiel dafür, wie ein über 120 Jahre altes Medikament bis heute neue Anwendungsfelder eröffnet.
Aspirin und Darmkrebsprävention: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20970844/
Aspirin und Brustkrebs: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/30921813/
Aspirin und Prostatakrebs: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27770554/
Aspirin und Magen-/Lungenkrebs: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/26174519/
Aspirin zur Herzprävention: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/31475799/
USPSTF-Empfehlung zu Krebsprävention: https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/27052598/