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Diabetische Neuropathie: Vorbeugung Behandlung

was aktuell am meisten Sinn ergibt

  • Vitamin B1 / Benfotiamin (300–600 mg/Tag): bei Diabetes häufiger Mangel; kurzfristig in Studien Symptomplus, Langzeitnutzen uneinheitlich.

  • Vitamin B12 (besonders unter Metformin): regelmäßig prüfen und auffüllen, weil B12-Mangel Neuropathie verstärken oder imitieren kann.

  • Vitamin D (bei Mangel, üblich 2 000–5 000 IU/Tag): kleine RCTs mit Schmerzreduktion, heterogene Qualität.

  • Alpha-Liponsäure (ALA) 600 mg/Tag (oral): mehrfach Symptomverbesserungen; funktionelle Endpunkte uneinheitlich.

  • Palmitoylethanolamid (PEA) 600 mg/Tag: RCT-Signal für Schmerz↓, Schlaf/Mood besser; gute Verträglichkeit.

  • Acetyl-L-Carnitin (ALC) 1–2 g/Tag: moderat positive Effekte auf Schmerz und Marker, Evidenzqualität gemischt.

  • Omega-3 (EPA+DHA) 2–3 g/Tag: Struktur-Marker der Nerven teils besser; Schmerz oft unverändert.

  • Topisch: Capsaicin-Patch 8 % (Wirken über Wochen), Lidocain-Pflaster 5 % für klar begrenzte Areale.

  • Magnesium: gegen nächtliche Beinkrämpfe meist kein verlässlicher Effekt (Ausnahmen möglich).


1) Vitamin B1 / Benfotiamin

Warum das spannend ist:
B1/Thiamin steuert entscheidende „Abzweigungen“ im Zuckerstoffwechsel. Bei Diabetes laufen oft schädliche Nebenwege (Polyol, AGE-Bildung) heiß. Benfotiamin (fettlösliches B1-Derivat) schiebt den Fluss zurück in „sichere“ Bahnen.

Wie häufig fehlt B1 bei Diabetes?
Je nach Studie ca. 17–79 %. Dazu wurden ~75 % niedrigere Plasmathiamin-Spiegel als bei Gesunden gemessen – u. a. wegen erhöhter renaler Ausscheidung. Das ist groß genug, um praktisch relevant zu sein.

Was zeigen Studien?
Mehrere RCTs mit 300–600 mg/Tag berichten kurzfristige Symptomverbesserungen (z. B. weniger Brennen), aber lange Zeiträume (z. B. 24 Monate) liefern uneinheitliche Ergebnisse bei harten Funktionsmaßen.

Praxis-Tipp in einfachen Worten:

  • Sinnvoll vor allem, wenn B1 wirklich niedrig ist.

  • Starte z. B. 2–3 Monate 300–600 mg/Tag, notiere Schmerz/ Kribbeln 0–10, entscheide dann.

Quellen:
https://journals.lww.com/jfmpc/fulltext/2024/13050/thiamine_deficiency_in_diabetes%2C_obesity_and.4.aspx
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1998885/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18473286/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3329837/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8015839/


2) Vitamin B12 

Warum das relevant ist:
Metformin kann die B12-Aufnahme drücken. B12-Mangel verstärkt nicht nur Neuropathie – er kann sie nachahmen. Wer sich auf Symptome verlässt, übersieht das schnell.

Was tun – ganz pragmatisch:

  • B12 regelmäßig checken, besonders bei Metformin.

  • Bei Mangel auffüllen (hochdosiert oral ist oft ausreichend).

  • Spürbare Besserung ist vor allem dann zu erwarten, wenn Mangel die Hauptursache war.

Quellen:
https://diabetesjournals.org/care/article/48/Supplement_1/S6/157564/Summary-of-Revisions-Standards-of-Care-in-Diabetes
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12278092/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11995175/


3) Vitamin D – kleine Studien, greifbarer Schmerz-Effekt bei Mangel

Warum das plausibel ist:
Vitamin D greift in Entzündungs- und Schmerzwege ein. Mangel ist häufig, besonders bei wenig Sonne.

Was zeigen Studien?
Kleinere RCTs (teils mit 2 000–5 000 IU/Tag, teils mit Einmaldosen) berichten Schmerz↓ bei schmerzhafter DPN – nicht in jeder Studie, aber oft und besonders bei Mangel.

So setzt man es um:

  • Spiegel kennen und in die Obernorm bringen – ohne Überdosierung.

  • Realistisch im Alltag: 2 000–5 000 IU/Tag für einige Wochen, Wirkung tracken.

Quellen:
https://drc.bmj.com/content/4/1/e000148
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8699777/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7402721/
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0261561420300455


4) Alpha-Liponsäure (ALA) – viel genutzt, solides Symptom-Signal

Warum das Sinn ergibt:
ALA ist ein mitochondriales Coenzym und Antioxidans; es verbessert Mikrozirkulation und reduziert oxidativen Stress in Nerven.

Was zeigen Metaanalysen?
Vor allem oral 600 mg/Tag: Gesamtsymptome (z. B. Brennen) gehen messbar zurück. Bei harten Funktionen (Nervenleitgeschwindigkeit usw.) ist das Bild uneinheitlich.

So setzt man es um:

  • 600 mg/Tag für 8–12 Wochen testen.

  • Achte darauf, dass Glukose leicht mit absinken kann – nur im Blick behalten, kein Drama.

Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10458197/
https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2016/0501/p786.html
https://www.mdpi.com/2072-6643/15/16/3634


5) Palmitoylethanolamid (PEA) – glia-moduliert, schmerzsensibel

Warum das spannend ist:
PEA moduliert Glia-Zellen und PPAR-α – genau dort, wo neuroinflammatorische Prozesse den Schmerz anfachen.

Was zeigen Daten?
Eine randomisierte Studie (Inflammopharmacology 2022) berichtet spürbare Schmerz↓ plus besserer Schlaf/ Stimmung. Die bisherige Evidenz ist kleiner, aber konsistent positiv.

So setzt man es um:

  • 600 mg/Tag (oft 2× 300 mg) für 8–12 Wochen.

  • Gute Verträglichkeit, als Add-on gut geeignet.

Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9700575/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666354624002059


6) Acetyl-L-Carnitin (ALC) – Energie & Axon-Reparatur

Warum das plausibel ist:
ALC unterstützt Mitochondrien und die Axon-Regeneration.

Was zeigen Analysen?
Ältere RCTs/Metaanalysen berichten moderate Schmerzsenkung und Hinweise auf Nerven-Regeneration (z. B. Vibrationssinn). Qualität und Konsistenz der Daten sind gemischt – trotzdem praktisch brauchbar.

So setzt man es um:

  • 1–2 g/Tag (geteilt) für 6–12 Wochen testen, dann neu bewerten.

Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6498091/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15616239/
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011265.pub2/full


7) Omega-3 (EPA + DHA) – Pflege fürs Nervengerüst

Warum das Sinn ergibt:
EPA/DHA fördern pro-resolutive Mediatoren und Membranqualität und greifen entzündungsdämpfend ein.

Was ist der „Catch“?
Die Daten zeigen eher Verbesserungen bei Struktur-Markern (z. B. corneale Nervenfaser-Länge) – ein gutes Zeichen für Regeneration –, aber Schmerzscores bleiben oft unverändert. Heißt: Pflege ja, Analgetikum eher nein.

So setzt man es um:

  • 2–3 g/Tag EPA+DHA (zu Mahlzeiten).

  • Bei Antikoagulanzien auf Gerinnung achten.

Quellen:
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5875591/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014483522001798


8) Topisch: Capsaicin-Patch 8 % und Lidocain-Pflaster 5 %

Capsaicin-Patch 8 %

Lidocain-Pflaster 5 %


9) NAC & Curcumin – nette Extras, aber noch „früh“

N-Acetylcystein (NAC)

Curcumin-Komplexe


10) Magnesium bei nächtlichen Wadenkrämpfen – Erwartungen runterdrehen

Kurze Wahrheit:
Die beste zusammengefasste Evidenz zeigt: kein verlässlicher Nutzen bei nächtlichen Krämpfen in der Allgemeinbevölkerung. Es gibt Ausnahmen (z. B. Schwangerschaft/Dialyse), aber als Standard-Lösung taugt Magnesium hier nicht.

Quellen:
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32956536/
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2603490


11) 6-Wochen-Mini-Plan – nur für Add-ons

Vor dem Start (Tag 0):

  • B1, B12, 25-OH-D wenn möglich kennen (oder zumindest B12 bei Metformin im Blick).

  • Zielgröße festlegen: z. B. „Schmerz im Mittel 6/10 → 3/10“ oder „Kribbeln ↓ um 30 %“.

Woche 1–2:

  • Nur 1–2 Add-ons gleichzeitig starten, damit du Wirkung zuordnen kannst.

  • Optionen: ALA 600 mg/Tag oder Benfotiamin 300–600 mg/Tag; alternativ PEA 600 mg/Tag oder ALC 1–2 g/Tag.

Woche 3–4:

  • Ehrlich messen: Durchschnittlicher Schmerz 0–10, Brennen, Kribbeln, Gehstrecke.

  • Wenn lokal abgegrenzt: Lidocain 5 % zusätzlich erwägen.

Woche 5–6:

  • Entscheiden: Behalten, wechseln oder pausieren – abhängig vom spürbaren Nutzen und der Verträglichkeit.

  • Bei anhaltend starkem Schmerz: Capsaicin-Patch 8 % als Option (wirkt über Wochen).


12) FAQ – kurz & knapp

Wie groß ist das B1-Thema wirklich?
Sehr groß: 17–79 % B1-Mangel je nach Studie; zusätzlich ~75 % niedrigere Blut-B1-Werte bei Menschen mit Diabetes. Darum ist Benfotiamin logischkurzfristige Symptomverbesserungen sind drin, Langzeit uneinheitlich.
Quellen siehe B1-Abschnitt.

Welche zwei Add-ons zuerst testen?
Oft ALA 600 mg/Tag oder Benfotiamin 300–600 mg/Tag; bei klarer Schmerzdominanz ist PEA 600 mg/Tag eine attraktive Alternative.

Kann Omega-3 Schmerzen nehmen?
Nicht zuverlässig. Es verbessert eher Strukturen (ein gutes Langzeit-Signal), ist aber kein Akutschmerzmittel.

Vitamin D – ja oder nein?
Ja, wenn Mangel. Dann sind Schmerzverbesserungen am wahrscheinlichsten.


13) Quellen (als Text/URL, nicht automatisch verlinkt)

Vitamin B1 / Benfotiamin & Prävalenz
https://journals.lww.com/jfmpc/fulltext/2024/13050/thiamine_deficiency_in_diabetes%2C_obesity_and.4.aspx
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1998885/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/18473286/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC3329837/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8015839/

Vitamin B12 & Metformin
https://diabetesjournals.org/care/article/48/Supplement_1/S6/157564/Summary-of-Revisions-Standards-of-Care-in-Diabetes
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC12278092/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC11995175/

Vitamin D (schmerzhafte DPN)
https://drc.bmj.com/content/4/1/e000148
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC8699777/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7402721/
https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0261561420300455

Alpha-Liponsäure (ALA)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC10458197/
https://www.aafp.org/pubs/afp/issues/2016/0501/p786.html
https://www.mdpi.com/2072-6643/15/16/3634

Palmitoylethanolamid (PEA)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC9700575/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2666354624002059

Acetyl-L-Carnitin (ALC)
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6498091/
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/15616239/
https://www.cochranelibrary.com/cdsr/doi/10.1002/14651858.CD011265.pub2/full

Omega-3
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC5875591/
https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0014483522001798

Topische Optionen
https://bmcneurol.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12883-016-0752-7
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/34178837/
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC6364237/
https://www.ncbi.nlm.nih.gov/books/NBK78692/
https://smw.ch/index.php/smw/article/download/1130/1144/2265

Magnesium & nächtliche Krämpfe
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/32956536/
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2603490


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