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Nattokinase – das Enzym aus fermentierten Sojabohnen

Nattokinase ist ein faszinierendes Enzym, das aus einem traditionellen japanischen Lebensmittel stammt: Natto. Dieses Gericht wird seit Jahrhunderten aus fermentierten Sojabohnen hergestellt, die mit dem Bakterium Bacillus subtilis natto vergoren werden. Der Geschmack und Geruch von Natto sind gewöhnungsbedürftig, doch das darin enthaltene Enzym Nattokinase ist in den letzten Jahrzehnten zu einem vielversprechenden Forschungsgegenstand geworden.

Besonders spannend: Nattokinase wirkt stark auf das Blut- und Gefäßsystem, kann Blutgerinnsel auflösen und die Fließeigenschaften des Blutes verbessern. Diese Eigenschaften machen es nicht nur für die kardiovaskuläre Prävention interessant, sondern auch für die Krebsforschung, da Gerinnungsprozesse und Fibrinablagerungen in Tumorumgebungen eine Rolle spielen.

Im Folgenden erhältst du einen umfassenden Überblick über Nattokinase – von den biochemischen Grundlagen über die aktuelle Studienlage bis hin zu möglichen Anwendungen in Prävention und Therapie.


1. Was ist Nattokinase?

Nattokinase ist ein Proteaseenzym, das Eiweißstrukturen spalten kann. Es gehört zur Familie der Serinproteasen und weist eine besonders hohe Affinität zu Fibrin auf – dem Hauptbestandteil von Blutgerinnseln.

Das Enzym wurde erstmals in den 1980er-Jahren von Dr. Hiroyuki Sumi entdeckt, der die ungewöhnlich starke fibrinolytische Aktivität von Natto untersuchte. Seitdem wird Nattokinase sowohl als Nahrungsergänzungsmittel als auch in der medizinischen Forschung getestet.


2. Wirkmechanismen im Körper

Die Wirkung von Nattokinase ist vielschichtig und lässt sich in mehrere Mechanismen gliedern:

  1. Fibrinolyse
    Nattokinase spaltet Fibrin, ein Protein, das an der Bildung von Blutgerinnseln beteiligt ist. Damit ähnelt seine Wirkung jener des körpereigenen Enzyms Plasmin, das für den Abbau von Thromben zuständig ist.

  2. Aktivierung körpereigener Systeme
    Es gibt Hinweise darauf, dass Nattokinase die Ausschüttung von Plasminogenaktivatoren wie t-PA (tissue Plasminogen Activator) fördern kann, was die körpereigene Gerinnungsauflösung verstärkt.

  3. Verbesserung der Blutzirkulation
    Durch die Verringerung der Blutviskosität und die Auflösung kleiner Gerinnsel verbessert Nattokinase den Blutfluss und könnte so das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall senken.

  4. Einfluss auf Blutdruck und Gefäßgesundheit
    Studien zeigen, dass Nattokinase durch eine verbesserte Elastizität der Gefäße und eine Reduktion von Angiotensin II blutdrucksenkend wirken kann.


3. Nattokinase und Krebs

Ein besonders spannendes Forschungsfeld ist der Zusammenhang zwischen Nattokinase und Krebs. Hierbei spielen zwei zentrale Aspekte eine Rolle:

  • Fibrin in der Tumorumgebung: Tumoren lagern oft Fibrin ab, das wie ein Schutzschild wirkt und die Immunabwehr blockiert. Nattokinase kann dieses Fibrinnetzwerk abbauen und Tumoren damit angreifbarer machen.

  • Metastasenbildung: Blutgerinnungsprozesse sind eng mit der Ausbreitung von Krebszellen verknüpft. Durch die Hemmung von Fibrinablagerungen und die Verbesserung der Blutzirkulation könnte Nattokinase die Metastasierung erschweren.

Studien dazu sind noch in frühen Phasen, aber die bisherigen Ergebnisse sind vielversprechend.

Studie: Nattokinase zeigt direkte antitumorale Effekte durch Abbau von Fibrin und Verbesserung der Immunantwort.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28912371/


4. Studienlage zu Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Nattokinase ist vor allem für seine gefäßschützende Wirkung bekannt.


5. Vergleich mit herkömmlichen Medikamenten

Klassische Medikamente zur Blutgerinnselauflösung wie Streptokinase oder Urokinase sind hochwirksam, werden aber meist nur in Notfallsituationen eingesetzt und können starke Nebenwirkungen haben.

Nattokinase wirkt milder, kann jedoch oral eingenommen werden und zeigt in Studien eine lang anhaltende fibrinolytische Wirkung. Das macht es für die langfristige Prävention interessant.


6. Bioverfügbarkeit

Ein wichtiger Vorteil von Nattokinase ist, dass es auch bei oraler Einnahme aktiv bleibt. Studien weisen darauf hin, dass das Enzym den Verdauungstrakt übersteht und ins Blut aufgenommen wird.

Dennoch hängt die Wirksamkeit stark von der Darreichungsform ab. Hochwertige Präparate enthalten standardisierte Mengen an Fibrinolytic Units (FU), um die Aktivität zu gewährleisten.


7. Dosierung und Anwendung

In Studien wurden meist Dosierungen von 2000 bis 4000 FU pro Tag verwendet. Typisch sind Kapseln mit 100 mg Nattokinase, die rund 2000 FU enthalten.

Empfohlen wird die Einnahme auf nüchternen Magen, um eine bestmögliche Aufnahme zu erzielen.


8. Sicherheit und mögliche Risiken

Nattokinase gilt als gut verträglich, dennoch sind bestimmte Punkte zu beachten:

  • Menschen, die bereits Blutverdünner wie Warfarin oder Aspirin einnehmen, sollten vorsichtig sein, da die Wirkung verstärkt werden kann.

  • Bei bevorstehenden Operationen sollte Nattokinase abgesetzt werden, um Blutungsrisiken zu vermeiden.

  • Schwangere und Stillende sollten Nattokinase nicht verwenden, da es hierzu keine ausreichenden Sicherheitsdaten gibt.


9. Weitere Einsatzgebiete

Neben Herz-Kreislauf und Krebs wird Nattokinase auch in anderen Bereichen erforscht:

  • Alzheimer: Ablagerungen von Fibrin im Gehirn stehen im Verdacht, neurodegenerative Erkrankungen zu fördern. Erste Studien zeigen, dass Nattokinase hier schützend wirken könnte.
    https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/22607085/

  • Chronische Entzündungen: Durch die Verbesserung der Mikrozirkulation kann Nattokinase Entzündungsprozesse lindern.

  • Immunsystem: Der Abbau von Fibrinbarrieren um Tumoren oder Infektionsherde macht das Immunsystem effizienter.


10. Fazit

Nattokinase ist ein außergewöhnliches Enzym mit einem breiten therapeutischen Potenzial. Seine Fähigkeit, Fibrin aufzulösen und die Blutzirkulation zu verbessern, macht es zu einem wertvollen Kandidaten für die Prävention von Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Darüber hinaus eröffnen sich spannende Perspektiven in der Krebsforschung, da Nattokinase Tumorumgebungen durch Fibrinabbau für das Immunsystem zugänglicher machen kann. Auch bei neurodegenerativen Erkrankungen und chronischen Entzündungen könnte es eine wichtige Rolle spielen.

Die bisherigen Studien sind vielversprechend, doch es braucht weitere klinische Forschung, um das volle Potenzial zu bestätigen. Klar ist schon jetzt: Nattokinase ist ein Beispiel dafür, wie ein traditionelles Lebensmittel der japanischen Kultur moderne Medizin und ganzheitliche Gesundheit bereichern kann.

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